Fußball-WM-Experte Streich betont Tugend

16.07.2026 |

Demut im Profifußball? Bei einer Weltmeisterschaft? Ja, das gibt es, sagte der WM-TV-Experte Christian Streich mit Blick auf den im Halbfinale erfolgreichen spanischen Nationalcoach. Der bekennt: «Ich bete jeden Tag.»

Tägliches Gebet und Demut: Spaniens Nationaltrainer Luis de la Fuente lebt eine Haltung, die auch Papst Franziskus stets betonte.
 
Die Tugend der Demut scheint bei dieser Fußball-Weltmeisterschaft eine ganz besondere Bedeutung zu gewinnen. Nach dem Halbfinalsieg Spaniens gegen Frankreich drängte es den TV-Experten Christian Streich geradezu zu einer besonderen Bemerkung. "Darf ich kurz was sagen?", setzte er im ZDF-WM-Studio an. Dann lobte der frühere Trainer des Bundesligisten SC Freiburg ein Fernsehinterview des spanischen Nationaltrainers Luis de la Fuente nach dem Spiel:
 
"In diesem Interview hat er acht Mal die Mannschaft erwähnt, immer von der Gruppe gesprochen, vom Land, von der Dankbarkeit", sagte Streich und fügte hinzu: "Das ist ein Trainer, ein Weltklassetrainer, und da kommt nur Demut rüber, und Ruhe und Zurückhaltung. Das ist außergewöhnlich." Und genauso spiele die spanische Mannschaft.
 
Freude über eine "Portion Demut"
 
Schon einmal stand die Demut im Zentrum der Aussage eines anderen WM-Kommmentators. Dabei ging es um den - inzwischen zurückgetretenen - Bundestrainer Julian Nagelsmann. Der Fußballexperte Christoph Kramer sagte im ZDF-WM-Studio: "Ich will es dem Bundestrainer gar nicht unterstellen, dass er es nicht gezeigt hat, aber generell freue ich mich immer über eine Portion Demut."
 
Kramer, Weltmeister von 2014, äußerte sich in der Nacht nach dem Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft gegen Paraguay. Eine Haltung der Demut wünsche er sich im Erfolg wie in der Niederlage. Kramer reagierte damit auf ein Interview, das Nagelsmann nach dem Schicksalsspiel gegeben hatte. Der hatte trotzig und eher schroff nach dem WM-Aus klargestellt, dass ein Rücktritt für ihn nicht infrage komme.
 
"Grundlage christlichen Lebens"
 
Laut dem früheren Papst Franziskus ist die Demut eine Tugend, die zwar nicht zu den vier Kardinaltugenden (Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit, Mäßigung) oder den drei theologischen Tugenden (Glaube, Hoffnung, Liebe) gehört. Die Demut sei dennoch "eine wesentliche Grundlage christlichen Lebens" und sogar der "Pfad zum Heil".
 
Die Tugend der Demut sei zudem "die große Gegenspielerin des tödlichsten aller Laster: des Hochmuts", sagte Franziskus im Mai 2024 bei einer Generalaudienz auf dem Petersplatz.
 
Kretschmann rät zu "gelassener Demut"
 
Demut ist allerdings nicht nur etwas, zu dem Fußball-TV-Experten oder Päpste raten. Der frühere baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann sagte kurz vor Ende seiner Amtszeit im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) auf die Frage, was er seinem jüngeren Ich geraten hätte: "Gelassene Demut".
 
Vieles am Gelingen hänge nicht von einem selber ab, sondern "von Zufällen, von Kräften von außen, vom richtigen Zeitpunkt", so der Grünen-Politiker und Katholik.
 
Duden spricht von Ergebenheit
 
Das erinnert an die Bedeutung, die der Duden fast poetisch der Demut zuschreibt. Sie sei eine "in der Einsicht in die Notwendigkeit und im Willen zum Hinnehmen der Gegebenheiten begründete Ergebenheit". Eigentlich, so der Duden, meine Demut die Gesinnung eines Dienenden, denn das Wort stamme vom mittelhochdeutschen demu(o)t beziehungsweise dem althochdeutschen diomuoti ab - was demütig bedeutet. Das wiederum setzt sich zusammen aus dionon (dienen) und muoti (Mut).
 
Demut beinhaltet Mut - so wie viele andere Begriffe im Deutschen. Christen sollten sowohl Groß- wie Langmut zeigen, aber auch eine Portion Demut sowie Unmut gegen Missstände, sagte der anglikanische Pfarrer Christopher Easthill beim Katholikentag im Mai 2026 in Würzburg. Gleichzeitig warnte er vor Hochmut gegenüber anderen oder auch vor Schwermut angesichts vielfältiger Krisen.
 
Leo will eine demütige Kirche
 
Demut scheint gerade auf vielen Feldern gefragt zu sein. Papst Leo XIV. rief die Katholiken dazu auf, an einer demütigen Kirche zu arbeiten. Leo hörte sich dabei fast so an wie ein guter Trainer.
 
"Niemand darf seine Ideen aufzwingen, wir alle müssen einander zuhören. (...) Niemand besitzt die ganze Wahrheit, wir alle müssen sie in Demut suchen, und zwar gemeinsam", so Papst Leo im Oktober 2025 im Petersdom.
 
Coach betet nicht für ein Ergebnis
 
Ob die Gegenspielerin des Hochmuts letztlich auch im Fußball zum Heil führt, wird sich am Sonntag im WM-Finale zeigen. Spaniens Nationaltrainer Luis de la Fuente jedenfalls hat noch einen höheren Beistand als die Tugend der Demut. "Ich bete jeden Tag", sagte er laut einem Instagram-Post auf der Pressekonferenz vor dem Halbfinale.
 
Er fügte hinzu: "Nicht, weil Weltmeisterschaft ist." Vielmehr danke er Gott jeden Morgen für das Leben und für seine Gesundheit. "Und ich bete auch nicht, um ein bestimmtes Ergebnis zu bekommen." Aus seiner Sicht wäre es nicht gerecht, Gott darum zu bitten, ihm zu helfen, aber nicht dem Gegner. Wenn das keine Demut ist!
 
KNA